Psychosomatische Rehabilitation

Psychosomatische Rehabilitation

Psychosomatische Störungen

Psychiatrische Störungen zeichnen sich durch psychische Symptome und Krankheitsprozesse aus. Bei somatischen Erkrankungen stehen die körperlichen Symptome und Krankheitsprozesse im Vordergrund. Als psychosomatische Erkrankungen werden Gesundheitsstörungen bezeichnet, bei denen kombinierte körperliche und psychische Symptome beobachtet werden.

Zwischen psychischen und körperlichen Prozessen besteht ohne Zweifel eine enge Wechselwirkung. Gefühle und Emotionen sind mit vielen nervlichen und hormonellen Prozessen verbunden, die direkt körperliche Funktionen wie zum Beispiel Blut, Puls, Durchblutung, Anspannung der Muskeln, Wachheit, Verdauung und viele weitere beeinflussen. Andererseits haben auch körperliche Prozesse wie Bewegung, Körperhaltung oder Gewebsschädigung einen direkten Einfluss auf unsere Gefühle und unser Schmerzempfinden.

Die Betroffenen beklagen verschiedene Beschwerden, oft an mehreren Stellen des Körpers. Diese führen häufig zu funktionellen Einschränkungen und merklichen Schwierigkeiten in der Alltagsbewältigung. Es folgt eine intensive Beschäftigung der Betroffenen mit den Beschwerden und eine starke emotionale Reaktion darauf.

 Krankheitsbild Psychosomatische Rehabilitation

 

Was behandeln wir?
Wir behandeln eine Gruppe von Störungen, deren gemeinsames Merkmal eine Kombination psychischer und körperlicher Beschwerden ist.
 

Indikationen

  • Ausgeschöpfte oder ungenügende ambulante Behandlungsmöglichkeiten (Spitalbedürftigkeit)
  • Fähigkeit und Motivation, am multimodalen Programm teilzunehmen
  • Anhaltende Arbeitsunfähigkeit oder drohende Invalidisierung
  • Aus therapeutischen Gründen erforderliche Distanzierung vom häuslichen bzw. beruflichen Milieu
     

Einschlusskriterien

  • Körperliche und psychische Folgezustände von Stress und Belastung (Stressfolgeerkrankungen, Erschöpfungszustände, chronische Müdigkeit, Schlafstörungen)
  • Chronisches Schmerzsyndrom
  • Anpassungsstörungen, Depressionen oder Traumafolgestörungen nach belastenden Lebensereignissen (Trauma, Trauer, Mobbing)
  • Ängste und Phobien
  • Psychische Belastungen bei Patienten oder betreuenden Angehörigen im Rahmen einer schweren körperlichen Erkrankung
  • Essstörungen (Adipositas, Binge Eating Disorder, Bulimia, Anorexia nervosa mit  BMI > 13)
  • Somatoforme Störungen
  • Prophylaktische Entlastung und Distanzierung vom sozialen Umfeld im Kontext einer beruflichen oder familiären Krise

Ausschlusskriterien

  • Akute Suizidalität
  • Psychotische Zustände
  • Aktiver Konsum psychotroper Substanzen (Suchtproblematik), körperlicher Entzug
  • Gravierende hirnorganische Funktionsstörung, Intelligenzminderung oder sonstige kognitive Beeinträchtigung
  • Schwere Persönlichkeitsstörungen
  • Schwere Einschränkung der ADL und der Mobilität, hoher Pflege- oder Überwachungsbedarf
  • Mangelnde Sprachkenntnisse, die eine Kooperation in Behandlungsprozess verunmöglicht
  • Mangelnde Motivation zur Kooperationsbereitschaft bzw. Compliance
  • Anorexia nervosa mit BMI <13, morbide Adipositas
  • Fehlende Motivation/Kooperation
  • Mangelnde Sprachkenntnisse, die eine Kooperation in Behandlungsprozess verunmöglicht

Die Ein- und Ausschlusskriterien gelten nicht absolut, sondern werden im Einzelfall interdisziplinär besprochen.
 

Info für die zuweisenden Ärztinnen und Ärzte:

Für die Genehmigung der Kostengutsprachen für die stationäre psychosomatische Rehabilitation sind folgende Kriterien massgebend (Auszug aus dem Dokument «Defreha 2.0», https://www.hplus.ch/). Ein klarer Bezug auf diese Einschlusskriterien im Zuweisungsschrieben erhöht die Chance auf eine rasche Bearbeitung und Genehmigung des Gesuches durch den Kostenträger.

  Eintrittskriterien
Einschluss

Alle Kriterien treffen zu

  1. Somatische und psychische Komorbidität oder somatoforme Funktionsstörungen, welche den Alltag oder den Beruf beeinträchtigen
  2. Fähigkeit und Motivation am multimodalen Programm mit Psychotherapie, Bewegungstherapie, Milieutherapie, Ergotherapie und weiteren Therapieangeboten teil zu nehmen
  3. Ambulante Therapie nicht möglich (Die Behandlungsmöglichkeiten im ambulanten Setting sind nicht möglich, erschwert, ungenügend oder ausgeschöpft)
  4. Eines der folgenden Kriterien tritt zu
    a) Eine Distanzierung vom häuslichen bzw. beruflichen Milieu ist aus therapeutischen Gründen erforderlich
    b) Anhaltende Arbeitsunfähigkeit/drohende Invalidisierung
    c) Automatisiertes, der Eigenkontrolle weitestgehend entzogenes Problemverhalten (z. B. chronische Hyperventilation, Erbrechen)
    d) Ausgeprägtes Vermeidungsverhalten
Ausschluss      

Eines oder mehrere der Kriterien

  1. Somatisch instabiler Zustand mit erhöhtem Behandlungs- und/oder Überwachungsbedarf
  2. Gravierende hirnorganische Schädigung oder ausgeprägte Intelligenzminderung
  3. Schwere Einschränkung der ADL und der Mobilität mit hohem Pflegebedarf
  4. Fehlende Motivation
  5. Akute Selbst- und Fremdgefährdung
  6. Psychotische Symptome
  7. Verwirrtheitzustände


Ziele
Die Behandlung hat zum Ziel, eine grösstmögliche Funktionalität zur Bewältigung des persönlichen und beruflichen Alltags zu erwirken. Die Aktvierung der persönlichen Ressourcen und die Übernahme der Selbstverantwortung sind dabei zentrale Bausteine. Sie werden unterstützt im Verständnis Ihres Krankheitsbildes mit dem Ziel, wieder aktiv und selbstbestimmt am Leben teilnehmen zu können und sich von der Fokussierung auf Ihre Beschwerden zu lösen. Wir vereinbaren gemeinsam mit Ihnen konkrete Ziele für die Rehabilitation:

  • Verständnis der Zusammenhänge von Psyche und Körpersymptomen fördern
  • Verbesserung des körperlichen, psychischen und sozialen Gesundheitszustandes
  • Förderung der Alltags- und Krankheitsbewältigung
  • Verbesserung des Umganges mit Schmerzen
  • Aktivierung von eigenen Ressourcen
  • Unterstützung der beruflichen und sozialer Reintegration

Behandlung
Psychosomatische Rehabilitation in der Rehaklinik Hasliberg erfolgt im erfahrenen interdisziplinären Team, welches psychosomatische und psychosoziale Medizin, Psychiatrie, Psychologie, Verhaltenstherapie, somatische Behandlung, Aktivierungs-und Ergotherapie, Physiotherapie sowie rehabilitative Pflege umfasst.

Medizinische Diagnostik

  • Ärztliche körperliche Untersuchung, spezielle Schmerz-Diagnostik 
  • Psychologische Untersuchung und Testdiagnostik
  • Bei Bedarf internistische, physikalisch-medizinische, orthopädische oder rheumatologische Konsilien durch Fachärzte im Hause
  • Bei Bedarf Diagnostik mit Röntgen, Labor, Ultraschall im Hause
  • Visiten durch Ober- und Leitende Ärzte
  • Analyse und Anpassung der Medikation
  • Manuelle Medizin bei Bedarf
  • Beurteilung der Arbeitsfähigkeit und Initiierung beruflicher Massnahmen

Psychiatrisch-psychologische Betreuung

  • Einzelpsychotherapie individuell durch Psychiater oder diplomierte Psychologen mit Fokus auf Aktivierung, Ressourcenaufbau und  Alltagsbewältigung
  • Achtsamkeits- und Entspannungsübungen
  • Biofeedback
  • Gruppenpsychotherapie
  • Interdisziplinäre Schmerzgruppe zur Edukation und ausführlicher Beratung und Unterstützung für Umgang mit Schmerzen
  • Modular aufgebaute psycho-edukative Gruppentherapie
  • Gruppentherapien Entspannung (Atemtherapie, Qi-Gong, Yoga, Meditation)

Weitere Therapien

  • Physiotherapie mit Fokus auf Köperwahrnehmung und Bezug zum Körper, sportliche Aktvierung und Aufbautraining
  • Aufbautraining, medizinische Trainingstherapie (MTT) an Fitnessgeräten
  • Sportliche Aktivierung in der Natur (Outdoortraining)
  • Physikalische und passive Massnahmen (Anwendung von Wärme und Kälte, Stromtherapie, TENS, Ultraschall und Jonophorese, Massage, manuelle Lymphdrainage, Fussreflexzonenmassage, Triggerpunktherapie, Craniosacrale Therapie, Osteopathie)
  • Akupunktur, Dry Needling
  • Gruppentherapien Bewegung (Wassertherapie im Therapiebad, Gehbad, Nordic Walking, Gymnastik, Rückenschule, Bogenschiessen)
  • Instruktion problemspezifischer Heimprogramme
  • Ergotherapie Einzel und Gruppe mit Fokus auf Aktivierung, Ressourcenaufbau und  Alltagsbewältigung

Pflege und Beratungen
Während Ihres Aufenthaltes erhalten Sie pflegerische Unterstützung in der Alltagsgestaltung und Beratung. Ausserdem beraten Sie bei Bedarf unsere Mitarbeitenden der Ernährungsberatung, des Sozialdienstes und der Seelsorge gerne.

Anmeldung und Kostengutsprache
Die Anmeldung zur stationären psychosomatischen Rehabilitation erfolgt mittels Zuweisungsformular durch Ihren behandelnden Arzt. Danach werden Sie zu einem Vorgespräch zu uns eingeladen. Bei Einigung über den Aufenthalt und die Ziele für die Rehabilitation beantragen wir bei Ihrer Krankenkasse die Kostengutsprache und informieren Sie bei Genehmigung der Kostengutsprache über einen möglichen Eintritt.

Ausserkantonale Behandlung
Die Rehaklinik Hasliberg verfügt über den Leistungsauftrag für die psychosomatische Rehabilitation von den Kantonen Bern und Nidwalden. Hier werden in der Regel sämtliche Kosten übernommen. Wenn Sie in einem andern Kanton wohnhaft sind, bezahlen Ihr Wohnkanton und Ihre Krankenkasse jenen Tarif, der in einem Referenzspital Ihres Wohnkantons gilt. Die allfällige Differenz zwischen diesem Tarif und dem Tarif der Rehaklinik Hasliberg müssen Sie selbst übernehmen (gilt nicht für die Zusatzversicherten, siehe unten). Wir informieren Sie bei Interesse gerne über die allfällige Kostenbeteiligung.

Vorteile für die zusatzversicherten Patientinnen und Patienten
Als Patient und Patientin mit Zusatzversicherungen (allgemeine Abteilung ganze Schweiz, Halbprivat und Privat) brauchen Sie sich auch als ausserkantonaler Patient und ausserkantonale Patientin keine Gedanken über Kostenfolgen zu machen. Ihre Zusatzversicherung übernimmt allfällige Kostendifferenzen.

Als Privat- und Halbprivatversicherte/r Patientin/Patient werden Sie ausschliesslich durch Fachärzte und erfahrenes Pflegepersonal behandelt. Bei Bedarf stehen Ihnen zusätzlich der Chefarzt, ein Reha-Coach sowie die Leitung Pflege zur Verfügung. Im therapeutischen Bereich können Sie zusätzliche Einzeltherapien in Anspruch nehmen und bei Bedarf steht Ihnen die Leitung Therapien zur Verfügung.

Zusammenarbeit
Der Betrieb der Fachstation erfolgt in enger Zusammenarbeit mit der Privatklinik Meiringen, die ebenfalls zur Michel Gruppe gehört.

Ansprechpersonen

Chefarzt, Vorsitzender der Geschäftsleitung Rehaklinik Hasliberg

Telefon +41 33 533 92 00
E-Mail {M6174F32AA696445070E1A68DBBEBC445O}{6174F363D8BBEB7EF60C2FD6502E29A5}